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Negative Strompreise bei PV-Anlagen: Was Inhaber jetzt wissen müssen

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Negative Strompreise in den Schlagzeilen

Wird Solarstrom am Mittag bald nichts mehr wert – und drohen sogar negative Vergütungen für die Einspeisung? Diese Frage erreicht uns derzeit auffallend häufig, befeuert von Berichten über negative Börsenpreise und vollen Speichern in Europa. Die Sorge ist nachvollziehbar, doch sie führt in der Praxis oft zu vorschnellen Entscheidungen, die den eigenen Nutzen schmälern statt verbessern.

Entscheidend ist: Für Betreiber zählt, was im eigenen Rückliefervertrag steht und wie gut der Eigenverbrauch organisiert ist – nicht, was kurzfristig an der Börse passiert. Wer jetzt seine Anlage, seine Tarife und seine Flexibilität nüchtern überprüft, kann Erträge stabilisieren und den Nutzen des Solarstroms im Alltag gezielt erhöhen.

Spotpreise, Schlagzeilen und die Realität der Rücklieferverträge

Wenn Medien negative Strompreise am Mittag melden, geht es um kurzfristige Börsenpreise an einzelnen Stunden – ein Thema, das von SRF bis Handelszeitung wiederkehrend diskutiert wird. Solche Preisspitzen entstehen, wenn viel Strom ins Netz drückt und die Nachfrage gleichzeitig tief ist. In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht daraus rasch der Eindruck, dass Einspeisung aus privaten PV-Anlagen dann gar nichts mehr einbringt.

Für die meisten kleinen und mittleren Anlagen in der Schweiz entscheidet jedoch der Rückliefervertrag mit dem lokalen Energieversorger. Viele EVU vergüten die Einspeisung zu fixen oder periodisch angepassten Sätzen. Wo Spotpreis-Modelle angewendet werden, sind sie meist an Regeln gebunden (zum Beispiel Monatsmittel, Floors oder keine Nachzahlungspflicht). Aus der Beratungspraxis kennen wir bislang keine Fälle, in denen private Betreiber bei negativen Börsenstunden Geld für die Einspeisung bezahlen mussten. Die Debatte ist real – aber die vertragliche Realität für Betreiber sieht häufig stabiler aus als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Was Mittagsspitzen konkret bedeuten: Einnahmen sichern, Eigenverbrauch stärken

Aus Betreiberperspektive hat die aktuelle Diskussion zwei praktische Folgen. Erstens: Die Erlöse aus reiner Mittagseinspeisung sind volatiler geworden und können je nach EVU und Vertragsmodell schwanken. Zweitens: Jede Kilowattstunde, die Sie sinnvoll selbst nutzen, ist von Börsenpreisen unabhängig – sie ersetzt Strombezug zum Endkundentarif. Das erklärt, warum intelligente Eigenverbrauchsstrategien in vielen Fällen mehr bewirken als die Maximierung der Produktion.

Ein Beispiel aus dem Alltag: Ein Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und Wallbox lädt das Elektroauto bisher abends nach Heimkehr. Mit einer einfachen Anpassung im Energiemanagement wird die Ladung auf die Mittagsstunden gelegt, wenn die PV-Generation hoch ist. Gleichzeitig wird die Wärmepumpe früher am Tag auf ein etwas höheres Speichertemperaturniveau gefahren, sodass abends weniger Netzstrom benötigt wird. Der Betreiber vermindert seine Abhängigkeit von schwankenden Rücklieferpreisen – ohne zusätzliche Hardware.

Verträge prüfen, Eigenverbrauch planen, Flexibilität gezielt einsetzen

Wer heute eine PV-Anlage betreibt oder plant, sollte den eigenen Rückliefervertrag genau lesen: Gelten fixe Sätze oder eine Spotkopplung? Wie häufig werden Tarife angepasst? Gibt es Mindestvergütungen? Diese Klarheit verhindert Fehleinschätzungen, etwa die vorschnelle Annahme, eine Batterie sei zwingend. In vielen Fällen lässt sich mit Lastverschiebung, Warmwasser-Nachladung oder PV-geführter E-Auto-Ladung ein grosser Teil des Nutzens heben – unabhängig davon, ob die Einspeisevergütung im Sommer vorübergehend sinkt.

Auch typische Mehrfamilienhaus-ZEVs profitieren von dieser Sicht: In einem Zürcher ZEV mit gemeinsamer PV, zentralem Speicher und mehreren Haushalten war die Erwartung, der Speicher müsse vor allem abends entladen. Nach einer Messphase zeigte sich, dass eine leichte Entladung am frühen Nachmittag sinnvoller ist, weil so teure Netzbezüge in den späten Nachmittagsstunden reduziert und gleichzeitige Einspeisespitzen geglättet werden. Die vertraglichen Rückliefersätze blieben stabil – entscheidend war die Steuerung. Ähnlich im Gewerbe: Ein Betrieb mit hohem Tagesverbrauch verschiebt nicht-kritische Prozesse in die frühen Nachmittagsstunden und reduziert dadurch Bezugsspitzen, während Einspeisung nur dort erfolgt, wo sie vertraglich sinnvoll vergütet wird.

Fazit

Negative Börsenpreise sind ein mediales Thema – für Betreiber zählt jedoch, was im Vertrag steht und wie gut der Eigenverbrauch orchestriert ist. Wer seine Flexibilitäten nutzt, stabilisiert den Nutzen der PV-Anlage und entkoppelt sich ein Stück weit von kurzfristigen Preissignalen. Das gilt für das Einfamilienhaus mit Wärmepumpe genauso wie für ZEVs und Gewerbe mit Tageslast.

Die praktische Konsequenz ist daher klar: Rücklieferbedingungen kennen, Eigenverbrauch gezielt erhöhen und Flexibilität dort einsetzen, wo sie Wirkung entfaltet. So bleibt Solarstrom aus der eigenen Anlage wertvoll – selbst dann, wenn an einzelnen Stunden die Börse das Gegenteil suggeriert.

Über den Autor

Flavio Wyss Verkaufsleiter siworks solar
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Flavio Wyss ist Geschäftsführer und Partner bei siworks Solar. Er moderiert den Solar-Podcast "Bock auf Solar" und begleitet Kunden von der Planung bis zur Umsetzung und Inbetriebnahme. Dank seiner langjährigen Erfahrung ist er ein ausgewiesener Fachmann in seinem Gebiet.