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Kontrolle von Photovoltaik-Modulen nach Gewitter, Hagel oder technischen Auffälligkeiten

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Photovoltaikanlagen sind robust, aber nicht unverwundbar. Gewitter, Hagel, Alterung oder technische
Mängel können dazu führen, dass ein Modul beschädigt wird, oft lange bevor ein
Leistungsrückgang sichtbar wird. Viele Betreiber fragen sich daher: Wie kann ich überhaupt feststellen,
ob meine Anlage noch in gutem Zustand ist? Und welche Methoden eignen sich dafür?
Dieser leicht verständliche Blogbeitrag erklärt die wichtigsten Prüfverfahren, deren Vorteile, Grenzen und welchen
Schaden man damit erkennen kann.
Alle Beispiele beziehen sich auf typische Situationen in der Schweiz.

von Flavio Wyss, Leiter Verkauf & Partner, siworks Solar

Warum eine professionelle Modulprüfung wichtig ist

PV-Module sind ganzjährig Wind, Schnee, Temperaturwechseln und Hagel ausgesetzt. Viele Schäden
sind auf den ersten Blick nicht erkennbar. Besonders Hagelereignisse wie wir dies in den letzten Jahren öfters erlebten, haben gezeigt, dass Module im Inneren deutliche Zellrisse haben können, obwohl das Glas
unbeschädigt aussieht. Solche Schäden können Jahre später zu Ertragsverlusten, Hotspots oder
Sicherheitsproblemen führen.
Deshalb lohnt sich eine gründliche Überprüfung, vor allem nach Unwettern oder wenn die Anlage unerwartete Werte liefert.

 

Visuelle Inspektion – der erste einfache Schritt

Bei der Sichtprüfung werden Module und Unterkonstruktion mit blossem Auge kontrolliert. Diese
Methode eignet sich gut, um offensichtliche Schäden zu erkennen:

  • Glasbruch
  • sichtbare Risse
  • Rahmenverformungen
  • defekte oder gelöste Steckverbindungen
  • mechanische Einwirkungen nach Sturm

Die Grenzen sind jedoch klar: Mikrorisse im Innern einer Solarzelle sind unsichtbar. Wenn nichts zu sehen ist, heisst das nicht automatisch, dass das Modul unbeschädigt ist.

Thermografie – geeignet für Hotspots, nicht für Hagelschäden

Bei der Thermografie werden Module mit einer Wärmebildkamera untersucht, oft auch mit einer Drohne.
Diese Methode erkennt Temperaturunterschiede und damit typische Auffälligkeiten wie:

  • Hotspots durch defekte Zellen
  • Fehler an Steckverbindungen
  • Teilabschaltungen eines Strings
  • defekte Bypass-Dioden

Ein verbreitetes Missverständnis: Viele glauben, dass man mit der
Wärmebildkamera auch Hagelschäden sehen kann. Das stimmt jedoch nicht. Solange das Glas
unbeschädigt ist, zeigen Mikrorisse kaum Temperaturunterschiede. Für Hagelprüfungen ist
Thermografie deshalb nicht geeignet.

Elektrolumineszenz (EL) Messung – der Goldstandard bei Hagel und Mikrorissen

Die Elektrolumineszenz ist die zuverlässigste Methode, um Zellrisse, Mikrobrüche und innere
Beschädigungen sichtbar zu machen. So funktioniert sie einfach erklärt:

  1. Das Modul wird unter Spannung gesetzt.
  2. Die Solarzellen beginnen im Infrarotbereich zu leuchten.
  3. Eine Spezialkamera fotografiert dieses Leuchten im Dunkeln.
  4. Dunkle Bereiche zeigen Defekte oder inaktive Zellzonen.

Mit EL erkennt man unter anderem:

  • Mikrorisse nach Hagel
  • Zellabtrennungen
  • Produktionsfehler
  • Alterungserscheinungen

innere Schäden, die thermisch nicht auffallen Gerade bei Hagelschäden ist diese Methode unverzichtbar. Viele Versicherungen verlangen deshalb, wenn der Verdacht auf verdeckte Zellbrüche besteht, eine solche Prüfung.

Wann ist eine professionelle Prüfung sinnvoll?

  • nach Hagelereignissen, auch wenn keine Schäden sichtbar sind
  • bei plötzlichen Leistungsabfällen
  • vor einem Versicherungsfall
  • beim Kauf oder Verkauf einer Liegenschaft
  • wenn Wechselrichter wiederholt Fehlermeldungen anzeigen
  • bei älteren Anlagen zur langfristigen Ertragskontrolle

In vielen Fällen genügt eine Kombination aus Sichtkontrolle und Thermografie. Bei Hagel oder Verdacht auf Zellrisse ist jedoch eine Elektrolumineszenz-Prüfung notwendig.

Typische Missverständnisse

„Wenn das Glas nicht gebrochen ist, ist das Modul in Ordnung.“
Nein, Mikrorisse sind oft unsichtbar.

„Thermografie zeigt alle Schäden.“
Sie zeigt Hotspots, aber keine Zellrisse unter intaktem Glas.

„Mikrorisse sind unkritisch.“
Sie können sich im Laufe der Jahre ausweiten und zu deutlichen Ertragsverlusten führen.

„Nur alte Anlagen haben Probleme.“
Auch neue Module können durch Hagel oder Transport beschädigt werden.

Checkliste für Betreiber nach einem Gewitter oder Hagel:

  • Sichtprüfung durchführen
  • Auffällige Module fotografieren
  • Ertragswerte beobachten
  • bei Unsicherheit: Fachprüfung (EL / Thermografie)
Bei technischen Auffälligkeiten:
  • Wechselrichtermeldungen dokumentieren
  • Stecker und Verkabelung kontrollieren (durch Fachperson)
  • Leistung mit Vorjahren vergleichen
Alle paar Jahre:
  • allgemeiner Anlagencheck
  • Ertragsmonitoring
  • Sichtkontrolle von Unterkonstruktion und Kabelwegen

Fazit:

Die Kontrolle einer PV-Anlage ist kein Hexenwerk, aber entscheidend für Sicherheit und Langlebigkeit. Verschiedene Methoden decken unterschiedliche Arten von Schäden auf. Besonders bei Hagel und inneren Zellrissen führt kein Weg an der Elektrolumineszenz vorbei. Eine regelmässige Prüfung sorgt dafür, dass die Anlage sicher, effizient und zuverlässig läuft, ein beruhigendes Gefühl für jeden Anlagenbesitzer.

Über den Autor

Flavio Wyss Verkaufsleiter siworks solar
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Flavio Wyss ist Verkaufsleiter und Partner bei siworks Solar. Er moderiert den Solar-Podcast "Bock auf Solar" und begleitet Kunden von der Planung bis zur Umsetzung und Inbetriebnahme.