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Batteriespeicher & Brandschutz

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Zwischen Regulierung, Technologie und Realität

Wer heute einen Batteriespeicher plant, ob im Einfamilienhaus, im Mehrfamilienhaus oder im Gewerbe, wird früher oder später mit dem Thema Brandschutz konfrontiert. Und mit Unsicherheiten. Die gute Nachricht vorweg: Die Situation ist geregelt.

Die Technologie ist differenziert zu betrachten. Und Panik ist fachlich nicht angebracht. Entscheidend ist, dass man sauber unterscheidet.

 

1. Die normative Ausgangslage und warum oft das FAQ zitiert wird

Die Grundlage bildet in der Schweiz das VKF-Brandschutzmerkblatt 2005-15 «Lithium-Ionen-Batterien»

Dieses Merkblatt entstand vor dem Hintergrund klassischer Lithium-Ionen-Technologien mit hoher Energiedichte und entsprechend dynamischem Brandverhalten.

Das Dokument beschreibt unter anderem:

  • das Risiko des thermischen Durchgehens (Thermal Runaway),
  • sehr schnelle Brandentwicklung,
  • erhebliche Rauch- und Wärmefreisetzung,
  • Überdruck im Brandraum.

Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt:

Das Merkblatt bezieht sich auf Lithium-Ionen-Batterien im engeren Sinne – nicht auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePO₄, LFP). Da sich im stationären Gebäudebereich zunehmend LFP-Technologien durchgesetzt haben, wurde das VKF-FAQ 2005-01 publiziert. Dieses FAQ wird von vielen Brandschutzexperten heute als Referenz herangezogen, wenn es um stationäre LFP-Speichersysteme geht.

Das FAQ stellt klar:

  • Herstellerangaben sind zwingend einzuhalten.
  • LFP-Speicher dürfen nicht in Fluchtwegen oder feuer- bzw. explosionsgefährdeten Räumen aufgestellt werden.
  • In Einfamilienhäusern dürfen LFP-Speicher grundsätzlich in allen Räumen aufgestellt werden – ausser in den genannten Ausschlussbereichen
    Ab bestimmten Kapazitäten sind Brandabschnitte mit EI 30 bzw. EI 60 erforderlich

 

Das bedeutet: Die Regulatorik ist nicht restriktiv, sie ist differenziert.

 

2. Lithium-Ionen ist nicht gleich Lithium-Ionen

In der öffentlichen Diskussion wird häufig pauschal von „Lithium-Batterien“ gesprochen. Für die brandschutztechnische Beurteilung ist diese Verallgemeinerung jedoch unzulässig.

Klassische Lithium-Ionen-Technologien (z. B. NMC)

Gemäss Merkblatt 2005-15 weisen diese Batterien folgende Charakteristiken auf:

  • hohe Energiedichten,
  • potenziell rasche, exponentielle Brandentwicklung,
  • chemisch gebundenen Sauerstoff in der Zelle,
  • das Risiko eines thermischen Durchgehens

 

Diese Eigenschaften erklären, weshalb das ursprüngliche Merkblatt relativ umfassende Schutzmassnahmen vorsieht.

 

Lithium-Eisenphosphat (LiFePO₄, LFP)

LFP-Zellen unterscheiden sich elektrochemisch deutlich:

  • höhere thermische Stabilität,
  • geringere Neigung zum thermischen Durchgehen,
  • weniger aggressive Branddynamik,
  • hohe Zyklenfestigkeit,
  • gute Alterungsstabilität.

Deshalb behandelt das VKF-FAQ LFP-Speicher differenziert.

 

Im stationären Gebäudebereich hat sich LFP aus genau diesen Gründen stark etabliert: nicht wegen Marketing, sondern wegen Systemstabilität und Planbarkeit.

Das heisst nicht, dass LFP nicht brennen kann. Es bedeutet aber, dass das Brandverhalten deutlich kontrollierbarer ist als bei Hochenergie-Lithium-Ionen-Systemen.

 

3. Der richtige Aufstellungsort – was konkret zu beachten ist

Die Frage nach dem Standort ist in der Praxis die wichtigste.

Einfamilienhaus – typische 10–20 kWh

Gemäss FAQ dürfen LFP-Speicher in EFH grundsätzlich in allen Räumen installiert werden, ausser:

  • in horizontalen oder vertikalen Fluchtwegen
  • in feuer- oder explosionsgefährdeten Räumen

 

Das bedeutet:

Keller, Technikraum oder Hauswirtschaftsraum sind in der Regel geeignete Standorte.

Sinnvoll sind zusätzlich:

  • trockene, temperierte Umgebung,
  • keine unmittelbare Lagerung leicht brennbarer Materialien,
  • gute Zugänglichkeit,
  • saubere Dokumentation für Einsatzkräfte.

 

Mehrfamilienhaus oder Gewerbe

Hier wird die Speicherkapazität pro Brandabschnitt entscheidend.

Gemäss FAQ:

  • bis 100 kWh pro Brandabschnitt → mindestens EI 30
  • ab 100 kWh pro Brandabschnitt → mindestens EI 60

Ab 100 kWh wird der Speicher brandschutztechnisch zu einer eigenständigen Einheit im Gebäude. Das heisst nicht, dass der Keller ungeeignet ist. Aber er muss als entsprechender Brandabschnitt ausgebildet sein.

 

Aufstellung im Freien

LFP-Speicher beliebiger Kapazität dürfen im Freien, in ISO-Containern oder in Nebenbauten aus RF1-Material aufgestellt werden. Dabei sind Schutzabstände gemäss VKF sowie elektrotechnische Normen (z. B. NIN, SIA 2061) zu beachten. Gerade bei grösseren Anlagen ist die Aussenaufstellung oft die planerisch klarste Lösung.

 

4. Fazit und Empfehlung

Batteriespeicher sind keine exotische Risikotechnologie mehr. Sie sind Teil moderner Gebäudetechnik.

Die entscheidenden Punkte sind:

  • Technologie differenziert betrachten (LFP ≠ NMC)
  • Kapazität pro Brandabschnitt bewusst planen
  • Herstellerangaben strikt einhalten
  • Brandschutz früh in die Planung integrieren
  • bei >100 kWh ein sauberes Brandschutzkonzept erstellen

Wer LFP-Systeme korrekt plant, bewegt sich in einem technisch gut beherrschbaren Rahmen.

Brandschutz ist kein Showstopper. Er ist ein Planungsparameter.

Die 10 häufigsten Fragen zu Batteriespeichern und Brandschutz

Nein. Das Brandverhalten hängt stark von der Zellchemie ab. LFP-Systeme sind deutlich stabiler als klassische Lithium-Ionen-Systeme.

Ja, sofern es kein Fluchtweg oder feuer-/explosionsgefährdeter Raum ist.

Nein, bei üblichen Kapazitäten unter 20 kWh ist kein separater EI-60-Raum vorgeschrieben.

Ab 100 kWh pro Brandabschnitt

Die Wahrscheinlichkeit ist deutlich geringer als bei klassischen Lithium-Ionen-Zellen, aber technisch nie vollständig ausgeschlossen.

Ja, sofern keine explosionsgefährdete Zone vorliegt und Herstellerangaben eingehalten werden.

Ja, Schutzabstände gemäss VKF sind zu berücksichtigen.

Lüftungsanlagen müssen gegenüber angrenzenden Nutzungen feuerwiderstandsfähig getrennt werden.

Nicht pauschal. Bei sauberer Planung und Einhaltung der Normen ist die Situation in der Regel unproblematisch.

Im stationären Gebäudebereich ist LFP aufgrund thermischer Stabilität und Planbarkeit oft die sinnvollere Wahl.

Über den Autor

Flavio Wyss Verkaufsleiter siworks solar
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Flavio Wyss ist Verkaufsleiter und Partner bei siworks Solar. Er moderiert den Solar-Podcast "Bock auf Solar" und begleitet Kunden von der Planung bis zur Umsetzung und Inbetriebnahme.