In der Schweiz sind Brandfallsteuerungen (BFS) ein zentrales Element des technischen Brandschutzes. Sie sorgen dafür, dass im Brandfall sicherheitsrelevante Anlagen automatisch in einen definierten, sicheren Zustand überführt werden – etwa Rauchabzüge, Aufzüge, Brandschutztüren oder Lüftungen.
Ihr Ziel: Menschen schützen, Sachwerte sichern und Schutzziele gemäss Brandschutzkonzept erreichen.
Wann braucht es Brandfallsteuerungen?
Brandfallsteuerungen sind überall dort Pflicht, wo technische Brandschutzeinrichtungen automatisch aktiviert werden müssen – zum Beispiel:
- Gebäude mit Brandmelde- oder Sprinkleranlagen
Sobald eine dieser Anlagen vorgesehen ist, braucht es koordinierte Steuerungen für die sicherheitsrelevanten Funktionen. - Beherbergungsbetriebe
In Spitälern, Alters- und Pflegeheimen sowie Hotels mit mehreren Geschossen oder hoher Bettenzahl sind Brandfallsteuerungen zwingend. - Hochhäuser mit Rauchschutz-Druckanlagen (RDA)
Auch hier sind BFS unverzichtbar, um Rauch gezielt abzuführen und sichere Fluchtwege zu gewährleisten. - Komplexe Bauten
Bei Gebäuden mit mehreren Nutzungseinheiten oder komplexen Fluchtwegführungen ist eine abgestimmte Brandfallsteuerung essenziell.
Ziel und Zweck
Der Zweck einer Brandfallsteuerung ist klar:
Im Ereignisfall müssen alle betroffenen Anlagen – ob Türen, Tore, Lüftungen oder Entrauchungseinrichtungen – in ihre sichere Position geführt werden.
Das muss über die vorgesehene Zeitspanne zuverlässig gewährleistet bleiben, selbst bei Ausfall von Strom oder Kommunikation.
Beispiele:
- Schliessen von Brandschutzabschlüssen
- Öffnen von Entrauchungsöffnungen
- Einschalten von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
- Stillsetzen von Aufzügen oder Förderbändern
Gesetzliche Grundlagen
Die Anforderungen sind in folgenden Dokumenten geregelt:
- VKF-Brandschutzerläuterung BSE 108-15
Gewährleistung der Betriebsbereitschaft von Brandfallsteuerungen (BFS) - VKF-Brandschutzmerkblatt 2006-15
- SES-Richtlinie Brandmeldeanlagen (Anhang B+C)
Diese definieren, wann und wie Brandfallsteuerungen umgesetzt werden müssen.
Die drei Kategorien von Brandfallsteuerungen
Je nach Gebäudeart, Anlagengrösse und Sicherheitsanforderungen unterscheidet man zwischen drei Kategorien:
1️⃣ Kollektiv mit Fail Safe
- Prinzip: Alle Steuerungen werden gleichzeitig aktiviert – entweder automatisch durch die Brandmeldeanlage oder manuell durch den Feuerwehrhauptmelder (HFM).
- Fail Safe: Auch bei Stromausfall oder Leitungsunterbruch nehmen die Systeme ihren sicheren Zustand ein.
- Vorteile:
- Kostengünstig
- Einfacher Betrieb (ein HFM reicht)
- Nachteile:
- Keine zonenweise Steuerung möglich
- Bei Wartungen oder Updates kann es zu Betriebseinschränkungen kommen
- Geeignet für: Kleine, übersichtliche Anlagen mit wenigen angesteuerten Einrichtungen
2️⃣ Kollektiv ohne Fail Safe
- Prinzip: Separate Brandfallsteuerungszentrale, die unabhängig von der Brandmeldeanlage funktioniert.
- Manuelle Aktivierung über separaten HFM oder Schlüsselschalter beim Feuerwehrzugang.
- Vorteile:
- Keine Einschränkungen bei Wartungen der BMA
- Betriebsfreundlich, da alle BFS über eine zentrale Stelle aktiviert werden
- Nachteile:
- Zusätzliche Steuerzentrale und doppelte Verkabelung notwendig (E30-Funktionserhalt)
- Etwas höhere Kosten
- Geeignet für: Anlagen, die keine zonenabhängige Steuerung benötigen
- Tipp: Oft die beste Gesamtlösung für Betreiberinnen und Betreiber.
3️⃣ Selektiv
- Prinzip: Die Brandfallsteuerungen werden zonen- oder szenarienabhängig aktiviert – also nur dort, wo es tatsächlich brennt.
- Vorteile:
- Maximale Flexibilität
- Aktivierung nur in der betroffenen Zone
- Nachteile:
- Komplexere Steuerung, höhere Kosten
- Erfordert gut instruiertes Personal
- Geeignet für: Hochhäuser, Spitäler, Industrieanlagen, Einkaufszentren oder komplexe Mehrzonenanlagen mit RDA oder RWA.
- Tipp: Keep it simple – je klarer das Konzept, desto sicherer der Betrieb.
Verantwortung und Wartung
Brandfallsteuerungen müssen regelmässig geprüft und dokumentiert werden – je nach Nutzung alle 2 bis 6 Jahre.
Die Verantwortung für die Betriebsbereitschaft liegt bei den Eigentümerinnen und Betreiberinnen der Anlagen.
Fazit
Brandfallsteuerungen sind kein Nice-to-have, sondern ein essenzieller Bestandteil der Gebäudesicherheit. Sie verbinden Technik, Planung und Verantwortung zu einem funktionierenden Schutzsystem, das im Ernstfall Leben retten kann. Ob kollektiv oder selektiv – entscheidend ist, dass die Lösung zum Objekt, zum Betrieb und zu den Schutzzielen passt.
Denn: Sicherheit beginnt bei der Integration.

Über den Autor
Maximilian Zangger ist Geschäftsführer von siworks Brandschutz. Als zuverlässiger und erfahrener Fachmann teilt er hier im Blog sein Wissen mit allen Interessierten.


